Neues vom Gesundheitsverbund Hamm

Hinter den Kulissen entsteht die neue Krankenhaus-Kooperation

Auch während der sonst eher ruhigen Ferienzeit wurde im Evangelischen Krankenhaus und dem
St. Marien-Hospital Hamm emsig gearbeitet: In beiden Krankenhäusern laufen die Vorbereitungen für die neue Kooperation bereits auf Hochtouren. Hinter den Kulissen werden derzeit die Weichen gestellt für den Gesundheitsverbund beider Häuser, der im November an den Start gehen soll.

Organisation und Ablauf wollen minutiös geplant sein, damit der Betrieb übergangslos weitergehen kann. Da werden Pläne gewälzt, Räume ausgemessen, Bestandslisten aktualisiert. Wo sind Umbauten erforderlich? Welche Geräte werden wo benötigt? Wer geht wohin? Aber auch Generelles wie Klinikprofile und Strukturen werden in diesen Tagen festgelegt. Auf allen Ebenen finden fortlaufend Gespräche und persönlicher Austausch statt. Und das betrifft nicht nur die medizinischen Fachabteilungen – auch Technik und Bau, IT, Medizintechnik sowie die Einkaufs- und Wirtschaftsabteilungen arbeiten bereits an der Verzahnung im Gesundheitsverbund.

Ein zentrales Anliegen ist beiden Häusern die Organisation der Notfallversorgung in den Notaufnahmen von EVK und dem St. Marien-Hospital mit den Standorten Nassauerstraße und Knappenstraße.

Erstes Kennenlern-Treffen Anfang Juli: Alle ziehen an einem Strang

Sachlich-konstruktive Gespräche prägen das neue Miteinander in beiden Häusern, die einst Konkurrenten waren und nun „plötzlich“ Partner sind. Den Anfang machten die Führungskräfte der beteiligten Abteilungen beider Häuser Anfang Juli mit einem Kennenlern-Treffen, bei dem das symbolische Foto der Kooperation entstand: Alle ziehen an einem Strang. Inzwischen fanden allein mehr als ein Dutzend moderierte Chefarztgespräche statt, in denen es um die neuen Klinikprofile ging. Fast täglich gibt es nun Treffen und Projekt-Workshops von künftigen Kollegen, die gemeinsam beraten, wie ihre jeweilige neue Abteilung aussehen soll. Über den aktuellen Stand der Vorbereitungen informiert ein Projekt-Newsletter, der in zweiwöchigem Abstand erscheint und auf den Intranet-Seiten der beiden Häuser für die Mitarbeiter abrufbar ist. 

Zu ihrer Kooperation entschlossen hatten sich St. Marien-Hospital und EVK im Frühjahr als Reaktion auf den neuen Krankenhausplan NRW, der die Leistungsangebote neu ordnet und dort, wo mehrere Krankenhäuser das Gleiche machen, eine Bündelung der Angebote verlangt. Von der Neustrukturierung betroffen sind 130 der rund 2300 Mitarbeiter in beiden Häusern. Dem jeweiligen Übergang zum anderen Krankenhaus haben lediglich zwei Mitarbeiter widersprochen: Für beide kam der Wechsel an einen anderen Klinikstandort nicht in Frage, weil sie Anfang 2016 in den Ruhestand gehen.

„Die angebotenen Sprechstunden mit der jeweiligen Geschäftsführung und Personalleitung wurden von den Mitarbeitern in Anspruch genommen“, erklären Michael Wermker und Matthias Kaufmann, die beiden Geschäftsführer von EVK und St. Marien-Hospital. „Inzwischen registrieren wir keinen Gesprächsbedarf mehr.“

Niedergelassene Ärzte werden ausführlich informiert

Nächster Schritt ist nun eine ausführliche Information der niedergelassenen Ärzte als Zuweiser vor Ort. „Wir möchten sie frühzeitig darüber in Kenntnis setzen, was sich demnächst bei uns ändert“, erklärt Michael Wermker. „Wir haben bereits im Juni dem Ärzteverein Hamm vor einer großen Teilnehmerzahl das neue Konzept vorgestellt und viel Zuspruch wahrgenommen. Konstruktive Hinweise und Fragen der niedergelassenen Ärzte beispielsweise zum Thema Notfallversorgung von Patienten werden wir in unsere konkrete Umsetzung einbeziehen.“ Matthias Kaufmann ergänzt: „Eine kontinuierliche Information der niedergelassenen Ärzte ist uns sehr wichtig, weshalb wir sie jetzt kurzfristig zu einer weiteren Informationsveranstaltung einladen werden, in der wir über die konkrete Umsetzung berichten.“

Auch die Rettungsdienste wird man während der „heißen Phase“ ständig auf dem Laufenden halten, für welchen Patienten welches Krankenhaus die Anlaufstelle ist. Darüber hinaus haben beide Kliniken beschlossen für alle aufkommenden Fragen eine Info-Hotline einzurichten, die allgemeine Fragen zum Gesundheitsverbund beantwortet und stets aktuell darüber Auskunft gibt, welchen Ansprechpartner für welche Angelegenheit man unter welcher Telefonnummer erreichen kann.  

Dass der Gesundheitsverbund im November auf einen Schlag an den Start geht, ist nicht zu erwarten. „Dafür ist uns der reibungslose Ablauf zu wichtig“, erklärt Matthias Kaufmann. „Erst müssen noch teilweise bauliche Anpassungen erfolgen und Medizintechnik umgebaut und installiert werden. Sowohl mit der Planung als auch der Umsetzung wurde bereits begonnen.“

Es ist weiterhin fest geplant, dass zum Jahresende hin die ersten Abteilungen umziehen sollen. Nach und nach werden die anderen folgen. Ohnehin fehlt derzeit noch das endgültige Okay der Kartellbehörde. „Aber darauf konnten wir schlecht warten“, so Wermker. „Im Augenblick werden dort die Daten der Krankenhäuser im Umkreis von 50 Kilometern um Hamm analysiert. Wir erwarten zeitnah die hoffentlich positive Meldung, dass die Wettbewerbshüter keine Bedenken gegen unsere Kooperation haben.“

 

Weitere Informationen

Das medizinische Konzept:

Das St. Marien-Hospital konzentriert sich im Schwerpunkt auf die Versorgung der Patienten mit Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen (Kardiologie, Neurologie, Angiologie, Gefäßchirurgie), Erkrankungen am Bewegungsapparat und Unfallverletzungen (Orthopädie und Unfallchirurgie), mit neurologischen, psychischen oder HNO-Erkrankungen, auf Erkrankungen des alten Menschen und nuklearmedizinische Behandlungen.

Das Evangelische Krankenhaus Hamm übernimmt im Schwerpunkt die Versorgung von Patienten mit Krebserkrankungen (Onkologie und Hämatologie, Gastroenterologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Strahlentherapie), Erkrankungen am Verdauungstrakt, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,  Erkrankungen der Frau (Gynäkologie) und der Kinder (Versorgung von Frühgeborenen, Kinderheilkunde, Kinderchirurgie) und Geburtshilfe sowie HNO-Erkrankungen.

 

Der Hintergrund:

Der Krankenhausplan des Landes NRW für 2015 sieht vor, die Leistungsangebote in den jeweiligen Versorgungsgebieten neu zu ordnen. Damit soll die Qualität der Patientenversorgung verbessert werden. Im Einzelnen heißt das: Überkapazitäten abbauen, Leistungen bündeln und straffen.

In Hamm haben sich das St. Marien-Hospital und das Evangelische Krankenhaus zu einer  Kooperation entschlossen. Beide Häuser bündeln ab November 2015 ihre Kompetenzen in jeweils voneinander unabhängiger Trägerschaft. Dafür werden Leistungsangebote an jeweils einem Standort zusammengeführt. Unter dem Namen Gesundheitsverbund Hamm bilden die Häuser künftig medizinische Schwerpunkte, was eine deutliche Qualitätssteigerung der stationären Krankenhausversorgung in Stadt und Region zur Folge hat. Die neue Fachabteilungsstruktur beider Häuser löst bisher gewachsene Strukturen auf: Die einem Fachgebiet zugehörigen Mitarbeiter werden künftig gemeinsam nur noch an einem der beiden Krankenhäuser tätig sein.

 

An einem Strang ziehen künftig die Mitarbeiter von St. Marien-Hospital und dem EVK

Zurück